Abenteuer beginnt, wo Pläne enden

Tag 9: Der große Regen – Massai Dorf – Abschied vom Festland

Seit 3 Uhr in der Nacht regnet es wie verrückt. Dadurch und weil wohl viele Hyänen durch das Camp gezogen sind und sogar auf die Zeltplattformen hochgekommen sind, war die Nacht etwas unruhig. Die Hunde, welche die wilden Tiere verbellt haben, taten ihr Übriges. Als wir Richtung Rezeption hoch gehen, kommt uns das Wasser schon den Berg entgegengeflossen – Wahnsinn. Die Schirme die gereicht werden haben keinen Sinn. So bekommen wir auch noch einen kleinen Eindruck, wie hier die Regenzeit sein muss. Wir bezahlen wie immer bei der Abfahrt die Rechnung der Getränke usw. bar in US Dollar – denn es ist üblich während des Aufenthaltes alles auf das Zimmer / Zelt schreiben zu lassen. Ich ergattere in einem kleinen Camp Shop zwei geschnitzte Holz Giraffen für zu Hause (die große ist ja auf dem Dach). Beim Frühstück erzählen uns Mitreisende, dass sie heute Nacht auch Elefanten trompeten gehört haben. Leider haben wir das nicht gehört.

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Nun heißt es Aufbruch – der letzte Tag auf dem afrikanischen Festland beginnt. Über eine Woche sind wir nun schon hier – sind von allem restlos begeistert und fasziniert – Tansania, Land und Leute, Flora und Fauna hat und von der ersten Sekunde an in ihren Bann gezogen…

Erst mal sind wir entsetzt, dass unser Gepäck, welches von den Massai am Zelt abgeholt wurde, im strömenden Regen steht – aber was soll man machen – hakuna matata – nicht nachdenken (Am Abend auf Sansibar stellen wir fest, dass eine Tasche immer noch komplett nass ist, und der gesamte Inhalt durchweicht ist. Klamotten können wir dann am nächsten Tag trocknen und wie gut, dass wir alles, was feutigkeits- und staubempfindlich ist, in Zipp Off Beuteln haben).

Und so starten wir auf Straßen, die vom Regen in eine zähe Masse verwandelt wurden – es fühlt sich an, wie wenn man auf Glatteis fährt. Ziemlich oft drehen die Räder durch, oder wir rutschen – tiefe Wasserlöcher müssen durchquert werden – manchmal schließe ich die Augen, um gar nicht zu sehen, was vor uns liegt. Mit Robson möchte ich heute nicht tauschen, bin aber froh, dass wir einen so guten und erfahrenen Fahrer wie ihn haben.

Die Autoscheiben sind beschlagen, draußen dampft der Bergwald und immer noch schüttet es wie aus Kübeln. Wenn man rausschaut sieht man nix – ein trauriger Abschied.

Auf dem Weg zum Massaidorf, welches wir noch vor dem Abflug nach Sansibar besuchen werden, bin ich sehr nachdenklich. Ob ich all das hier in meinen Leben noch mal sehen werde? Ist meine tiefe innere Sehnsucht nach Afrika gestillt – ist es so gewesen wie erhofft? (Auf all das werde ich im Resümee eingehen). Alles was an mir vorbeizieht brenne ich mir ins Herz ein. Zufriedenheit und Glückseligkeit umgibt mich – ich bin dankbar das erleben zu dürfen. Eine Parkausfahrt folgt der anderen, irgendwann sind wir auf relativ normalen, asphaltierten Straßen – es wirkt total entzaubernd.

Im strömenden Regen kommen wir im Massaidorf an – wir müssen ein lustiges Bild abgeben, wie wir so aus den Autos springen – teilweise in Sandalen und kurzen Hosen – „gestylt“ für Sansibar. Auf den Besuch im Massaidorf haben wir uns sehr gefreut, übt dieses Naturvolk doch schon ewig eine große Faszination aus. Etwa 140 000 Massai leben in Tansania rund um Arusha, in der NgorogoroConservation Area und in der Serengeti. Über Jahrzehnte wurde dieser Volksstamm diskriminiert und der gesellschaftliche Einfluss wurde stark beschränkt. Sie verdienen heute ihren spärlichen Lebensunterhalt mit Viehzucht, oder als Nachtwächter und Kofferträger auf den Lodges. Die Massai gelten heute als Halbnomaden, da sie nur alle paar Jahre, abhängig von der Fruchtbarkeit der Landschaft, den Platz ihrer Dörfer wechseln. Massai glauben an den Gott „Engai“, der ihnen die Macht aller Rinder auf der Erde zugeteilt hat. Deswegen wird ihr Reichtum an der Anzahl der Rinder und Ziegen gemessen, die sie besitzen.

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Wir werden herzlich im Dorf, welches durch Chamäleon unterstützt wird, empfangen. Vor uns sehen wir nur Matsch und Kuhfladen – gefühlte 1 Mio. Fliegen schwirren um uns herum und kleben förmlich an den Kindern. Ehrlich gesagt ziehen wir die Augenbraunen hoch und rümpfen die Nase. Aber im wahrsten Sinne des Wortes heißt es jetzt „Augen zu und durch“ – es wäre schon anmaßend von uns, zu meckern, weil Schuhe dreckig werden könnten – diese Menschen leben Tag ein Tag aus ihr ganzes Leben hier so.

Alle Massai im Dorf sind recht zutraulich, sie kennen diese Besuche ja auch, manche kleinen Kinder sind recht zurückhaltend, schauen uns mit ihren großen Augen an, andere sind forsch – wollen uns unbedingt anfassen – aus allen Ecken kommt ein „jambo“oder „kwaheri“ (willkommen). Es herrscht irgendwie ein chaotisches Durcheinander.

Als erstes dürfen wir in eine Boma (Hütte) gehen. Sie werden aus getrocknetem Kuhdung, Lehm und Holzpfosten gebaut. Kleintiere schlafen hier ebenso wie die Menschen drinnen. In der Mitte brennt ein Feuer, dass am Tag zum Kochen dient, Moskitos vertreibt und abends für Wärme sorgt. Nur durch ein kleines Loch fällt Tageslicht. Der Vater zeigt uns stolz den Topf mit Ziegenmilch und die Schlafstelle die mit Rinderfellen „gemütlich“ ausgelegt ist. Vor lauter Rauch und Dunkelheit sehen wir eigentlich fast Garnichts – unglaublich so zu leben.

Massai Frauen tragen meist rote Umhänge (Shouka), haben ausgeweitete Ohrläppchen, kahl geschoren Köpfe und tragen ganz viel Körperschmuck aus Silberornamenten und Perlen. Massai Männer tragen ebenso die Shouka und gehen nie ohne ihren Stock (Emudi), der zum Jagen oder Kämpfen dient. Ebenso tragen sie viel Perlenschmuck und meist Sandalen aus alten Autoreifen. Ally erzählt uns, dass wir nun zum „Ältesten Vater“, zum Oberhaupt des Dorfes gehen dürfen. Leichter gesagt als getan – wieder mal müssen wir über ein risiges Matsch – Fladenfeld waten. Plötlich spüre ich, wie ein kleiner Junge von vielleicht 4 Jahren, meine Hand ergreift, mich aufmunternd anlächelt und mir hilft über die „Masse“ unbeschadet drüber zu kommen. Ich bin total gerührt – vielleicht hat er meine Ängstlichkeit bemerkt? Ich versuche in Englisch mit ihm ins Gespräch zu kommen – aber natürlich keine Chance – manchmal reichen auch Blicke und Gesten.  Dieses war eine faszinierende Begegnung (und eigentlich müsste der Mini Massai auch aufs Dach).

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Beim Massai Oberhaupt angekommen, erfahren wir, dass er 97 alt ist, von mehreren Frauen (Massai dürfen sich auch an den Frauen anderer Männer bedienen, wenn diese nicht da sind) 145 Kinder hat.

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Der alte Herr erwartet, dass wir ihn alle einzeln begrüßen – spricht mit uns aus lachenden, glücklichen Augen – irre. Es wird ein wenig über Massai Traditionen gesprochen – auch über das heikle Thema Beschneidung. Mit 10 – 15 Jahren werden Jungen und Mädchen beschnitten – erst dann sind Jungs offiziell als Krieger anerkannt und Mädchen dürfen heiraten. Unter welchen katastrophalen hygienischen Bedingungen dieses stattfindet möchten wir uns gar nicht vorstellen – wie sehr alle darunter leiden, wie viele an den Folgen sterben ist unvorstellbar für uns. Diskutieren verkneifen wir uns – sinnlos. Hier muss Aufklärungsarbeit geleistet werden.

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Da wir, wie so oft, Zeitdruck haben, können wir nur kurz die Massaischule besuchen. Es ist schön, wie dieses Naturvolk wenigstens diesbezüglich Fortschritte macht und die Kinder so eventuell eine Chance auf ein anderes Leben bekommen (sofern sie es denn wollen), Im Klassenraum bekommen wir stolz Bücher und Hefte vorgeführt und es wird wieder gesungen. Schade, dass wir nicht länger Zeit haben. Es regnet immer noch, aber das hält eine Gruppe junger Massai nicht davon ab uns zum Abschied einen ihrer traditionellen Tänze vorzuführen, bei dem sie kühne Sprünge vollführen.

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Ally treibt eilig zur Weiterfahrt an, denn der Flieger wird wohl nicht auf uns warten…

Zu gerne hätten wir hier mehr Zeit gehabt, alles ohne Regen und Matsch erlebt, zu gerne wären wir tiefer in das Leben dieser spannenden Menschen eingetaucht.

Es liegt ein langer Weg zum Flughafen vor uns. Wir fahren durch die uns schon bekannten „Städte“, sind entsetzt wie chaotisch es hier nach dem Regen aussieht, überall Matsch, Dreck und Chaos. Man mag sich kaum vorstellen, wie es hier zu Regenzeit aussieht. Wie kann man dann hier noch (über)leben? Sieht man genauer hin, so ist es allerdings die selbe Idylle wie die vergangen Tage – die Einheimischen stört wohl weder der Regen, der Matsch noch das Chaos – sie lächeln einfach – so einfach ist das Leben!!

Unser heutiger Picknickplatz liegt an einem Souvenir Shop – Zufall? – und ist in einem wunderschönen Garten mit Orangen und Zitronen Bäumen, großen Ficus und einem wunderschönen „Schönfadenbaum“ Endlich hat es aufgehört zu regnen – nun ist es allerdings ekelhaft schwül und dampft. Als wir den Flugplatz erblicken wird uns klar, dass nun der Abschied bevorsteht – von Ally, Robson und dem afrikanischen Festland. Wir tauschen noch schnell Adressen mit den beiden aus, überreichen die Umschläge in dem unser Auto die Trinkgelder für beide gesammelt hat, und während die andere Autogruppe schon Richtung Terminal stapft, nutzen wir die Chance für ein Gruppenfoto mit den beiden, bevor die eine oder andere Träne vergossen wird.

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Asante Asana
– ihr zwei lieben Menschen –
es war toll Euch kennengelernt zu haben.

Dann tauchen wir in das „Chaos – Flughafen“ ein und lassen Ally, Robson und das Festland hinter uns (ist noch Platz auf dem Dach?)

Wir sind ziemlich ko, ziemlich durchgeweicht und ziemlich genervt von dem Chaos des Flugplatzes. Die Gepäckaufgabe und das einchecken verläuft ohne Probleme und ziemlich schnell sitzen wir im Precessions – Air – Flieger nach Sansibar, der noch nicht mal ausgebucht ist. Wir bekommen noch vor dem Start was zu trinken und unterwegs einen kleinen Snack.

Ziemlich schnell ist der Indische Ozean zu sehen – türkis blaues Wasser soweit das Auge reicht. Dann sehen wir wenigstens von oben unsere Trauminsel Chumbe – dazu später mehr. Nach 40 Minuten landen wir bereits in einer vollkommen anderen Welt.

 

Karibu Sansibar

 

Internet:

Wikipedia.org -> Massai

Travelbook.de -> Welt

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