Abenteuer beginnt, wo Pläne enden

Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit „wow“ bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Der Tag mit dem wow und Au Effekt.

Wir haben super geschlafen, schrecken aber irgendwann morgens hoch – irgendwas stimmt nicht… ein Blick auf den Wecker bestätigt es… irgendwie haben wir ihn falsch gestellt – uns bleiben 45 Minuten bis zur Abfahrt in den Ngorogoro Krater – einen der Höhepunkte der ganzen Reise. Schnell ins Bad, anziehen, eincremen und Mückenabwehr sprühen – dann ruck zuck zum Frühstück aus Tee, Toast, Pencacke Obst, Ei und tatsächlich Käse. Wir haben extrem hohe Erwartungen an diesen Tag. Wird doch der Krater gerne als natürlichster Zoo der Superlative – Garten Eden für Tiere oder afrikanische Arche Noah beschrieben. Auf einer Fläche von ca. 26400ha leben etwa 25.000 Großsäuger und er weist die höchste Raubtierdichte Afrikas auf. Zu unseren „Big Five“ fehlt uns noch das Nashorn – werden wir es heute sehen, denn hier sollen 10 – 15 Exemplare leben?

Tag 8 2016 02 18 08 27 19 001 Pano 1024x231 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Eine sehr unebene „Straße“ führt uns durch das Massai Gebiet zum Kraterrand – alles ist umgeben von einem herrlichen Bergwald voller Urwuchs. Nachdem Robson wieder die Formalitäten geklärt hat, führt eine sehr steile Straße hinab in den Krater, wo schon recht viele Jeeps auf den Pisten sind. Aufgeregt wie kleine Kinder erleben wir ein paar Minuten später den absoluten wow – Effekt… sind mittendrin.

Seit Ende des 1. Weltkrieges siedeln keine Menschen mehr im Krater. 2010 wurde er zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt. Neben den üblichen Verdächtigen, wie Gnus und Zebras ist das erste was wir sehen der große See. Abertausende rosa Flamingos tummeln sich im kühlen Nass – ein wundervoller Ausblick – leider kommt man nicht näher dran – für die Tiere ein Segen.

Es fällt uns sofort auf, dass alle Tiere hier in seeliger Eintracht zu leben scheinen. Zwischen den Herden von Gnus, Büffeln und Zebras laufen seelenruhig Hyänen umher. Alles macht einen so friedlichen Eindruck. Unterwegs sehen wir einen Sekretär mit aufgestelltem Federkleid in Balzstellung.

Tag 8 2016 02 18 10 36 01 001 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Tag 8 2016 02 18 10 28 00 001 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Am See liegt ein Löwenrudel in (scheinbarer) Lauerstellung, alles an den Tieren ist angespannt – wir könnten wetten, dass wir gleich eine spektakuläre Jagdszene zwischen Löwen und Büffeln zu sehen bekommen. Neben den Büffeln ziehen jede Menge Antilopen vorbei, doch nichts passiert. Sind die Löwen satt, faul, oder brauchen sie Nachhilfe im Fach „Nahrungskette“? Sehr beeindruckend der Frieden hier im Ngorogoro Krater. Robson wird plötzlich sehr aufgeregt und ruft „Rhino, Rhino“ und tatsächlich. Wir haben das große Glück gleich zwei Nashörner auf einmal zu sehen. Eins liegt schlafend im Gras – das andere streift drumherum, bevor es sich dazu legt.

Tag 8 2016 02 18 11 33 18 001 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Ein wahnsinnig großes Koloss dieses Tier. Mit dieser Sichtung sind die „Big five“ für uns komplett – wie schön, denn das kann nicht jeder behaupten der in Afrika war.

Tag 8 2016 02 18 09 41 03 001 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Tag 8 2016 02 18 09 42 19 001 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Tag 8 2016 02 18 09 42 31 001 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Tag 8 2016 02 18 09 42 23 001 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Die Vögel hier im Krater kann man nicht zählen – Unmengen!!!! Wir stoppen kurz an einem Hippopool um uns die Füße zu vertreten. Schon wie in der Serengeti erhebt sich keines dieser Tiere – kurz Luftholen, Ohrenwackeln – zu mehr sind sie nicht bereit. Stefan wird allerdings etwas mulmig, als so ein Tier auf ihn zu geschwommen kommt, denn schließlich sind wir hier zu Fuß unterwegs und nicht im geschützten Jeep.

Tag 8 2016 02 18 10 56 40 003 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Wir fahren etwas an den Kraterrand, wo es viel grüner als im Zentrum ist und treffen unterwegs tatsächlich weitere Nashörner, wobei eines direkt vor unserem Auto die Piste kreuzt.

Tag 8 2016 02 18 11 33 21 001 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Tag 8 2016 02 18 11 33 46 001 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Tag 8 2016 02 18 11 34 05 001 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

 

In einer kleinen Lichtung ist zu unserer größten Überraschung ein sehr feines Mittagessen aufgebaut – geplättet von dem Bewusstsein mitten im Ngorogoro Krater zu sein, genießen wir das vom Highview Hotel gelieferte Essen; Gurken, Tomaten, Reis, Spinat, Nudeln, Fisch und Gulasch, Aubergin, Gemüse und natürlich Obst. Über die kühlen Getränke freuen wir uns erst recht. Meerkatzen beäugen uns kritisch und hoffen mitspeisen zu dürfen.

Tag 8 2016 02 18 12 20 41 001 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Tag 8 2016 02 18 12 55 38 001 1024x683 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Der Moment ist wieder mal total irreal – Gänsehaut Moment. In der Nähe ziehen Tierherden an uns vorbei und wir sitzen hier seelenruhig – „Gedanken über mögliche damit verbundene Gefahren schaffen wir irgendwie komplett auszublenden“. Die Zeit vergeht wie im Fluge und wir müssen so langsam den Krater wieder verlassen. Wir können Bernhard Grzimek so gut verstehen, als er einmal meinte, dass der Ngorogoro Krater für ihn das 8. Weltwunder ist.

Die Ausfahrt geht auf einer gepflasterten! Straße relativ schnell, auch wenn wir uns in eine lange Autoschlange einreihen müssen – es herrscht überall afrikanisches „Chaos“. Ich versinke derweil in den irren Busch um uns herum, sehr große Kakteen und Euphorbien, Bäume an denen lange Tillandsien runter hängen, Daturen, Gloriosa, massige Agaven und Rhinizinus Pflanzen… Afrika hat nicht nur eine fantastische Tierwelt – für die, die es sehen können und wollen, ist die Pflanzenwelt ein Traum.

 

Am Kraterrand werden wir von einem Ranger in Empfang genommen, um, wie es im Reiseverlauf steht, „sich die Beine bei einem zweistündigen Wanderung im Massailand zu vertreten“. Mittlerweile wissen wir ja, dass die Einheimischen ein irres Schritttempo drauf haben – sie sind es gewohnt, lange Distanzen zu Fuß zurück zu legen, aber dieser Ranger stürmt selbst für afrikanische Verhältnisse los, während er noch ein paar Erklärungen über Pflanzen gibt und verschiedene Minzsorten, Zuckerrohr und Malariakraut zeigt. Vorbei geht es an einem Trinkwasservorrat – eher einem braunen Schlammloch gleichend – kaum vorstellbar, dass die Massai daraus trinken.

Doch was jetzt folgt ist in unseren Augen mehr als gefährlich und fahrlässig von dem Ranger und dem Veranstalter vor Ort in Afrika und hätte für jeden einzelnen von uns sehr übel oder tödlich ausgehen können!!!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Es ist Nachmittags, die Sonne glüht und wir haben mindestens 35 Grad im Schatten, während an den Kraterhängen ein schweres Gewitter aufzieht, was die Luftfeuchtigkeit und die Schwüle noch steigert. Vor einer knappen Stunde hatten wir unser sehr üppiges Essen im Krater erhalten. Da der Spaziergang eher einer Bergtour mit sehr steilen Anstiegen gleicht, teilt sich die Gruppe sehr schnell. Der Ranger, welcher ja zum Schutze aller, ein Gewehr mit sich führt, stürmt mit den sportlich fitten den Berg hinauf und beachtet die anderen, die versuchen keuchend den Berg zu erklimmen überhaupt nicht – warten? – Fehlanzeige – Foto und Tagesrucksäcke werden zur Qual (hätten wir es gewusst, dass es eine Bergtour wird, hätten wir sie auf jeden Fall im Auto gelassen), denn der Anstieg wird zunehmend steiler – regelrechtes Bergsteigen über Felsen immer weiter in die Höhe. Ally äußert das erste mal, dass er dieses so auch nicht kennt, sonst wäre der Weg ein anderer, flacherer gewesen. Wir spüren wirklich zum Teil schon unsere Kräfte schwinden, finden die ganze Aktion hier unverantwortlich – was ist, wenn hier jemand umkippt? – Hilfe kann hier nicht kommen!! Man hätte vor der Bergtour aufklären müssen, was einen erwartet und es den Gästen freistellen sollen, ob sie sich die Bergbesteigung zutrauen. Ich merke wie mir der Kreislauf schwindet – mir wird schwindelig – schlecht – die Beine fangen an zu zittern und die Augen flimmern – dann geht nix mehr! Nahe am Kraterrand sinke ich zitternd, heulend und nahe dem Hyperventilieren auf einem Felsen zusammen. Ally ist entsetzt und ich werde von anderen Mitreisenden mit Notfallbonbons und Wasser versorgt. Mein ganzes Gepäck wird mir abgenommen. Von alledem kriegt der ortskundige Ranger, welcher die Gruppe führen und schützen soll, nichts mit, denn er ist mittlerweile außer Sichtweise. Ally, dem die Nervosität ins Gesicht geschrieben steht und dem klar wird, dass er die Verantwortung für die ganze Gruppe trägt, ist ziemlich sauer – wir raten ihm, diesen Aktion dringend bei Chamäleon zu melden – ein absolutes, und lebensgefährliches NO GO. Ich kämpfe mich Schritt für Schritt langsam und mit sehr vielen Pausen weiter auf den Berg – durch dickes Dornen – Akazien – Gestrüpp, dass seine Spuren in der Kleidung und auf der Haut hinterlässt. Wir rufen, um die anderen irgendwie zu finden, denn mittlerweile haben sich auch schon einige andere unserer Gruppe auf der Suche nach dem Ranger verlaufen. Den Ranger interessiert das nicht wirklich, auch die Aussage, dass die Gruppe zusammenbleiben muss, wenn er sie führt und beschützt, interessiert ihn nicht wirklich.

Selbst die fantastische Aussicht, die wir direkt vom Kraterrand, wo wir nun stehen geboten bekommen, kann ich mit zitternden Knien nicht genießen, schaue nur den direkt vor meinen Füßen beginnenden steilen Abhang hinunter und denke „scheiß Aktion“. Stefan und ein paar andere Mitreisende finden gegenüber dem Ranger mehr als deutliche Worte in Englisch, die er nur mit einem Achselzucken erwidert. Ist ihm das Leben von Weißen so egal?

Mir ist schlecht vor Anstrengung – aber es geht weiter – durch ein kleines Massai Dorf wo einem die Kinder anbetteln – soweit kein Problem, wenn sich jeder aus der Gruppe an die Verhaltenstipps von Chamäleon gehalten hätte – nicht fotografieren und den Kindern nix geben – grrrr. Obwohl uns unser Ranger mal wieder abhandengekommen ist (ihn scheint die Sicherheit der Gruppe immer noch nicht zu interessieren), finden wir ein paar Meter weiter unsere Jeeps. Ich lasse mich in den Sitz fallen und muss vor Erleichterung heulen. Ich kann es nicht fassen, dass Chamäleon uns in eine so lebensgefährliche Lage gebracht hat. Ally versichert mehrfach, dass er dieses so noch nicht erlebt hat – wir fragen uns – hätte er als Reiseführer nicht den Ranger stoppen müssen? Kaum in den Jeeps bricht auch schon der Starkregen des Gewitters los. Stefan geht es auf der Fahrt immer schlechter – sein Kreislauf spielt verrückt.

Am Rande bekommen wir mit, das Ally und Robson aufgeregt Telefonate führen… irgendwas stimmt nicht. Als wir immer noch bei Starkregen im Camp ankommen brauchen wir erst mal eine Cola um den Zuckerspiegel und Kreislauf zu puschen.

Welch unglaubliche und gefährliche Aktion!!!

Alles nutzt nichts, es ist packen angesagt, denn morgen geht es mit dem Flieger nach Sansibar.

Beim Abendessen erleben wir einen geknickten Ally. Er berichtet, dass Robson einen Anruf bekommen habe, das seine Mutter schwer krank ist und einen Anruf aus Deutschland – das dort jemand die Umstände von heute geschildert hätte und er einen auf den Deckel bekommen habe – er würde echt überlegen aufzuhören. Wir sind entsetzt und  verstehen nicht so wirklich… wer hat angerufen – wir von der Gruppe haben mit unseren Handys hier in Afrika kein Netz . Nur der Ranger, der vielleicht weiss, dass er Mist gebaut hat und auch zum Schluss an den Autos telefonierte, bleibt übrig… vielleicht um „seinen Hintern zu retten“… und die Schuld auf Schuldlose abzuschieben.

Seltsamme Geschichte… definitiv haben weder Robson noch Ally Schuld an dieser Aktion. Wir versuchen zu vermitteln und sichern beiden unsere Hilfe zu, falls es Probleme gibt, denn ohne sie würden wir jetzt heute Abend hier nicht mehr sitzen.

Ally erkundigt sich nach meinem Gesundheitszustand und meinte geknickt „ ihr seid wie eine Familie für mich – und wenn es jemand von euch nicht gut geht, dann geht es mir auch schlecht“ – herzzerreißend.

Tag 8 2016 02 18 17 04 05 001 1024x768 Tag 8: vom Ngorogoro Krater mit wow bis zu Leichtsinn und Gefahr durch Ranger

Der Abend wird kurz – der Körper zollt nach dem heutigen Tag sein Tribut.

 

Internet:

Wikipedia.org -> Ngorogoro Krater

Ngorogorocrater.org

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*