Abenteuer beginnt, wo Pläne enden

Tag 6: Ballonfahrt – Serengeti

Die Nacht verlief für mich so unruhig, dass ich irgendwann zu Stefan ins Bett gekrabbelt bin… ich lag lange wach und lauschte den unbekannten Geräuschen der Nacht. Ich hörte Hyänen heulen und wie diese immer näherkamen (später am Tag habe ich erfahren, dass sie tatsächlich um die Zelte schlichen).

Um 4:30 klingelte der Wecker – und irgendwie war ich froh darum… Wir sind überrascht, dass wir schon Strom im Zelt haben, denn uns wurde gesagt, dass der Strom zwischen 22:00 – 6:00 ausgeschaltet ist (Hier wird, wie in vielen unsere Unterkünfte, der Strom über Solarenergie gewonnen und gepuffert. Für weitere Anforderungen steht ein Generator bereit.)

Um 5:15 Uhr werden wir abgeholt um zum Ballonstartplatz gefahren. Die Jeeps sind schon fast voll besetzt – so waren wir wohl die letzten, die abgeholt wurden.

Der kurze Blick zum nächtlichen Sternenhimmel war schön – doch hatten wir da andere Bilder im Internet über den afrikanischen Himmel gesehen, und so sind wir ein klein wenig enttäuscht, wie sich der Nachthimmel uns auf dieser Fahrt präsentiert, irgendwie hatten wir ihn uns gigantischer vorgestellt.

Im Scheinwerferlicht des Autos sehen wir in diesen frühen Morgenstunden Hyänen im Gras, einen Springhasen (wir dachten schon ein Mini Känguru hätte sich verlaufen) und einen Schakal. In einem großen Areal der Savanne warten schon drei Ballons darauf angefeuert zu werden. Während die Sonne langsam über dem Horizont aufgeht, ziehen in der Ferne mehrere Elefanten an uns vorbei. Es folgt eine kurze Dämmerungsphase, leider scheint es heute Morgen sehr diesig zu sein. Mit in der Gruppe sind, Chinesen, Italiener und Schweden. Unser Fahrer Frank, der aus Kanada kommt, erklärt uns alles. Zu Hause hätte ich mich nie in einen Ballon gewagt, hier tue ich es für Stefan und habe mächtig „die Hosen voll“.

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Da die Körbe für 13 Personen sehr groß sind, findet der Start im Liegen statt, was ich etwas anstrengend finde – aber Zeit zum Nachdenken gibt es nicht, denn kaum ist der Ballon mit heißer Luft gefüllt, stellt sich der Korb auf und los geht es. Durch die Sicherheitsleine fühle ich mich sicher und kann langsam entspannen und fange an zu genießen, denn es ist grandios, dieser Ausblick in die Weite – auch ohne jegliches Tier der Hammer. Bei niedriger Flughöhe erkennen wir viele Trampelpfade der Tiere durch die Savanne. Während Frank den Ballon des Öfteren dreht, damit jeder mal die ideale Aussicht hat, erkennen wir die Elefanten vom Start und Giraffen Herden. Die ergriffene Stille wird nur ab und an vom anfeuern des Ballons unterbrochen – jeder genießt das Erlebnis.

Die Tiere verhalten sich ganz unterschiedlich. Während Elefanten etwas schreckhaft sind, interessieren sich Giraffen absolut nicht für uns. Wir sehen Gazellen, denen wir nicht geheuer sind und die sofort die Flucht ergreifen. Adler kreisen um uns. Wir sehen eine Büffelherde, welche wohl einen Morgenspaziergang den Berg hinauf macht und viele Perlhühner und Sekretäre. Auf einmal entdeckt Frank eine große Büffelherde und steuert direkt darauf zu – wir erkennen viele Jungtiere – die Herde wird nervös, als wir immer dichter zu ihnen runtergehen – ein wahnsinniger Ausblick – aufregend – 1000 Gedanken gehen einem durch den Kopf. Und wieder wird sich dieser Moment fest in mein Herz einbrennen. Nach einer knappen Stunden steht die Landung an. Während wir uns alle sitzend festhalten, bringt Frank den Ballon sicher vor einem kleinen Berg runter. Wir werden ein paar Meter durchs Gras gezogen – dann ist alles vorbei. es hätte von uns aus stundenlang so weitergehen können. Vor was ich Angst hatte weiß ich schon gar nicht mehr – es war absolut atemberaubend.

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Als wir alle in mitten der Serengeti aus dem Korb krabbeln kommt mir kurz der Gedanke „Was, wenn irgendwo ein Tier versteckt lauert?“ Wir werden alle in die Jeeps verfrachtet und fahren ein paar Meter um danach mit „Serengeti Ballon Sekt“ anzustoßen. Auf eine gute Fahrt und sichere Landung. Frank erzählt kurz die Geschichte und Entstehung der Ballonfahrt. Der Moment ist total irreal. Wir stehen nach einer Ballonfahrt im Sonnenaufgang mit einem Glas Sekt mitten in der Serengeti – tief ergriffen habe ich einen weiteren „Gänsehaut Moment“. Wir steigen wieder in die Autos und erreichen nach kurzer Fahrt eine riesige Schirmakazie, in deren Schatten unser englisches Sektfrühstück stattfindet.

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An diesem unwirklichen Platz bekommen wir über Silberschalen unsere Hände gewaschen und werden von Männern mit Turbanen bedient. Es gibt Kaffee, Tee, Mango Saft und Sekt. Nach frischem Obst folgt ein absolut leckeres Breakfast. Wie g… ist das denn? Ich schließe öfters die Augen um mich dann zu freuen, dass alles noch da ist, wenn ich sie öffne, freue mich, nicht zu träumen, sondern all das tatsächlich zu erleben. Zum Schluss bekommen wir alle noch die Ballonfahrer Urkunde ausgehändigt – und einen super Blick zu einer Giraffenherde mit Jungtieren gratis dazu.

Auf dem Weg zurück zur Basis denke ich über das erlebte nach – ja es war traumhaft – ja ich würde es wieder tun – ja es war ein sehr teurer Spaß, aber man muss sich mal die ganze Logistik überlegen die dahintersteckt und wie personalaufwändig das Ganze ist – wir sind uns aber einig – 100€ wenig hätten es auch getan. Auf der Basis warten schon Ally und die ganze Truppe auf uns – alle sind neugierig wie es war und freuen sich mit uns über das, was wir erleben durften. Leider hatten sie etwas Pech mit ihrer morgendlichen Pirschfahrt und haben kaum Tiere gesehen. Nach einem Brunch in unserem Camp erfolgt tatsächlich mal ein klein wenig Freizeit, die wir vor unseren Zelten nutzen und einfach mal den Gedanken freien Lauf lassen. Ich kümmere mich, wenn auch mit wenig Erfolg, um das „Taschen Chaos“, Stefan unterzieht die Fotoausrüstung einer ausgiebigen Reinigung. Das heutige Mittagessen besteht aus Perlhuhn, Krautsalat und einer Art Spagetti – damit waren wir gut gesättigt für unsere nachmittags Pirschfahrt. Heute ist es extrem heiß und staubig und wenn man sich mit dem Taschentuch durchs Gesicht fährt ist es anschließend schwarz. Der rötliche Staub setzt sich in alle Ritzen… da ist man doch froh über 12,5l Duschwasser pro Person.

Wir sehen erneut viele Giraffen mit neugierigen Jungtieren, welche keinerlei Angst zeigen. Wir bekommen Grants – Gazellen und kleine süße Dikdiks zu sehen, an eine Elefantenherde fahren wir ganz nahe ran und beobachten sie ein wenig. Wir sehen einen Gepard vor uns ins Gras huschen, der ein paar Mal springt, als wenn er mit seiner Beute spielt – dann verschwindet er. Wir warten zwar noch eine Weile, in der Hoffnung, dass er sich nochmal zeigt, aber es passiert leider nicht. Man erkennt, wie schon erwähnt, sofort, wenn etwas besonderes gesichtet wurde, denn ruck zuck sind viele Autos da – so ergattern wir einen Blick auf einen Leoparden der im Baum hängt – leider ist er relativ weit weg und aus unserer Position schlecht zu sehen, aber auf der anderen Seite des Baumes ist leider ein Fluss.

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Mit der Zeit wird man wählerisch, bleibt nicht mehr wegen jedem Tier um es zu beobachten stehen. Jeder ruft, „please can you stop? wenn er etwas Interessantes sieht, das Robson für unwichtig gehalten hat. Erneut sehen wir Elefantenherden mit Babys (hatten wir die schon auf unserem Dach?) und Impalas und am Hippopool tummeln sich wie gestern die Dickhäuter, während Adler durch die Lüfte streifen. Die Hippos tauchen immer nur kurz auf um Luft zu schnappen und mit den Ohren zu wackeln. Zu gerne hätten wir einen von ihnen mal in voller Größe außerhalb des Pools gesehen, aber sie sind faul und tun uns nicht den Gefallen. Plötzlich meint jemand aus unserer Gruppe einen Löwen gesehen zu haben – Robson greift es auf und meint es sehr gut mit uns – er jagt den Jeep schlagartig runter vom Weg, querfeldein Richtung Löwe – schallendes Gelächter bricht im Wagen aus, als wir merken, dass es sich lediglich um einen kahlen, alten Baumstumpf handelt – soweit hat uns die Hitze schon gebracht – wie sehen Fata Morganen.. Seitdem wird bei jeder Löwensichtung gefragt, ob es ein Löwe mit oder ohne Blätter ist….

Völlig müde und kaputt kommen wir im Camp an und fangen an für Ally zu dichten – wir schreiben das Lied „Wer hat die Kokosnuss“ um. Allerdings sind wir alles andere als Melodie und Textsicher. Wir halten uns vor Lachen die Bäuche. Eigentlich bräuchten wir Internet um den Text und die Melodie zu googlen, aber wir sind mitten in der Savanne…. Kein Problem meint ein freundlicher Angestellter und wenige Augenblicke später haben wir einen UMTS Router auf unserem Tisch stehen und können mit den Handys ins Internet. Sie dachten wir wären Sänger und fanden die Aktion genial. Wir nutzten die ungeahnte Möglichkeit noch kurz um ein paar Nachrichten und Bilder in die Heimat zu senden. Die Zeit vergeht wie im Fluge und so ist es schon wieder soweit. Das Abendessen ruft. Kürbissuppe, Ziege, Nudelauflauf, süße Kartoffeln, gemischtes Gemüse in scharfer Sauce sowie Kuchen und Amarula sind wieder mal sehr lecker. Mit den Angestellten lachen wir noch immer sehr viel und sie meinen, sie werden uns vermissen…

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Ally hat heute keine Gute Nacht Geschichte für uns – somit nutzen wir die Gelegenheit und singen ihm unser umgeschriebenes Geburtstagslied vor. Welch ein Gelächter – ob er allerdings alles verstanden hat, bezweifele ich. Der Abend klingt in einer gemütlichen Runde aus und ich spüre, wie sehr mir die Menschen hier schon ans Herz gewachsen sind.

Internet:

Balloonsafari.com

 

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