Abenteuer beginnt, wo Pläne enden

Tag 5: Highview Hotel – Serengeti – Serengeti Wildcamp

Die Nacht war kurz, denn der Tag ist vollgepackt mit Ereignissen…. und so heißt es um 6:00 aufstehen für das Frühstück um 7:00 Uhr – dies ist von der Auswahl ok. – afrikanischer Standard wohl – frisch bereitete Omeletts nach Wunsch kommen uns sehr gelegen. Da der Kaffee wieder so gar nicht meinem Geschmack entspricht (von dickflüssig bis durchscheinend schwach mit viel Kaffeesatz) trinke ich ab heute nur noch Tee. Ich habe Glück, und ergattere eine der letzten Tassen. Die Gäste nach mir behelfen sich, da sie nicht wieder aufgefüllt werden, mit Suppentassen. Als auch diese alle sind, fragt Stefan, der wie viele andere auch, immer noch auf der Suche nach einem Trinkgefäß ist, das Personal. Daraufhin bekommt er tatsächlich eine, die anderen suchenden Gäste gehen leer aus. Generell haben wir nahrungstechnisch keinerlei Magen und Verdauungsprobleme, durch die Hitze hat man nicht wirklich viel Hunger und die Portionen sind generell sehr überschaubar und somit auf den Appetit abgestimmt – Stefan achtet sehr darauf was er ist, aber im Großen und Ganzen ist alles diesbezüglich bestens – keinesfalls würde ich auf die leckeren Säfte und auf das fantastisch schmeckende Obst verzichten. Da ich generell neugierig bin, probiere ich gerne einheimische Kost (sofern überhaupt vorhanden), das Fleisch ist generell etwas zäher – wohl (zu) lange gekocht oder geschmort, evtl. für unsere europäischen Mägen bewusst durchgegart.

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Allys Ansage lautete, dass wir um 8 Uhr, zu einer Kaffeeplantage gehen und es um 8:30 Uhr weiter Richtung Serengeti geht. Das Tagesprogramm sieht eine Strecke von 180km in 4-5 Stunden vor… dass dies nicht so klappen wird – ist uns von vornherein klar – alles ist wieder eng kalkuliert – eigentlich müsste man den einen oder anderen Programmpunkt streichen um alles nicht in Eile und oft unter Zeitdruck durchzuführen.

Wir gehen ein wenig den Berg hinunter in die Plantage – wo ein paar Angestellte gießen oder harken. Ally erklärt, dass in Tansania der ideale Boden für Arabica Kaffeebohnen sei – die Königin der Kaffeebohnen. Oft wird diese Bohne zur Qualitätssteigerung beigemischt. Sie hat wenig Säure und einen fruchtig, süßen Geschmack. 90% der Kaffee Produktion in diesem Land liegt in der Hand von Kleinbauern – welche die Bohnen alle von Hand ernten.

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Zur Überraschung aller, darf einer aus der Gruppe ein Loch ausheben, einen Setzling pflanzen und angießen. Ally sagt, es sei ein Mangobaum zur Schattierung der Kaffeepflanzen – oft werden auch Bananen zu diesem Zweck dazwischen gepflanzt. Wir dürfen dem Baum einen Namen geben und entscheiden uns für „Ally – Baba und die 12 Touris“ – ob Ally dieses Märchen kennt, erfahren wir nicht. Wir finden die Aktion toll und fühlen uns hier in der afrikanischen Erde verewigt. Auf dem Rückweg zu Hotel zeigt und erklärt uns Ally ganz viele Bäume, Blumen und Sträucher… (u. a. Passionsfrucht, Mango, Guave, etc.), auch eine Puffotter entdecken wir auf dem Weg und erfahren, dass sie sehr giftig sind. Da wir wie so oft spät dran sind, geht’s flott weiter. Wir sind nicht traurig, denn diese Unterkunft hatte so gar nicht unser Herz (sie sollte übrigens die einzige während des ganzen Urlaubes sein, wo wir uns nicht „pudelwohl“ gefühlt haben).

Wir fahren durch engste Seiten „Straßen“ von Karatu und bestaunen wieder den afrikanischen Alltag – die zerklüfteten, ausgespülten Straßen stellen Robson vor eine Herausforderung – die er mit Bravour meistert – aber blaue Flecken lassen sich trotzdem nicht vermeiden. Wir sehen hautnah, sehr armselige Lehmhütten, primitiv zusammengeschustert – angebundene Ochsen und Ziegen – aber das beeindruckenste ist – wir sehen immer lächelnde Menschen.

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Wir kommen im Mwema Street Children Center an, welches von Chamäleon unterstürzt wird. Leider lautet die Aussage, das wir spät dran sind und nicht mehr als 15 Minuten hätten. Somit wurden Erklärungen, Schilderungen und Vorführungen auf ein Minimum geschrumpft, was wir alle sehr schade fanden und für Lehrer, Streetworker und Schüler sehr unschön war, die uns erklären, dass hier Waise und sozial ausgegrenzte Kinder eine temporäre Anlaufstelle bekommen. Viele seien Drogen oder Alkoholabhängig, viele zu Hause körperlicher Gewalt ausgesetzt. Es wird generell eine langfristige Hilfe angestrebt, so dass die Kids zu Ihren Familien oder Pflegeeltern zurückkehren könnten. Das Projekt wurde 2006 gegründet, Chamäleons neuste Investitionen sind ein Wassertank, ein Motorrad um Dinge schneller erledigen zu können, sowie eine Grundstückserweiterung, auf dem ein Mädchenschlafsaal gebaut wurde. Interessant fand ich die Option, dass die Jugendlichen nicht zwangsläufig in die Schule müssen – sondern auch einfach nur ihre  Fähigkeiten schulen und ausbauen können – egal ob im musischen oder künstlerischem Bereich. So sehen wir etliche schöne Keilrahmbilder.

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Nach diesen Erklärungen hatten wir noch kurz Zeit eine Schulklasse zu besuchen – wie schon im anderen Schulprojekt werden wir herzlich empfangen und neugierig begrüßt, Vor allem ist die immer gegenwärtige Fröhlichkeit sichtbar… bemerkenswert, wo doch jeder dieser Seelen eine Geschichte zu verarbeiten hat. Zum Abschied bekamen wir als Ständchen „Bruder Jacob“ – in Suaheli und deutsch vorgesungen. Auf die Frage, was fehlen würde, bekommen wir zur Antwort, das vor allem Lehr- und Malmaterial fehlen würde. Ich hoffe Chamäleon kennt diesen Wunsch…

In den darauffolgenden Stunden erleben wir eine lange, heftige Fahrt über Straßen, deren Zustand kaum zu beschreiben sind. Wir begeben uns in den Ngorogoro Distrikt und bekommen, während Robson wieder Formalitäten am Parkeingang regelt, von Ally etliche Infos über den Krater und besuchen kurz einen Souvenir Shop. Nach ein paar Kilometern Fahrt machen wir einen kurzen „Foto-Stopp“ am Kraterrand. Es bietet sich eine fantastische, atemberaubende Aussicht in den Ngorogoro Krater, den wir in ein paar Tagen besuchen werden. Unglaublich – unbeschreiblich was man sieht, eine einzigartige Landschaft – und es scheint zu wimmeln vor Tieren – auch wenn wir diese nur per Fernglas erkennen. Wir sind voller Vorfreude auf die Fahrt durch diesen bezaubernden Fleck Erde.

Nach ein paar Meter stoppen wir erneut. Diesmal stehen wir am Grab von Michael Grzimek, und am Gedenkstein von Bernhard Grzimek, dessen Asche zum Teil im Krater verteilt wurde. Michael liegt tatsächlich hier begraben, nachdem er mit dem „Zebra Flugzeug“  abgestürzt ist. Die Welt und vor allem die Serengeti darf dankbar sein für diese Menschen, die sich so sehr für das Wohl der afrikanischen Tierwelt eingesetzt haben.

Wir setzten unsere Fahr durch herrliche Hochebenen und wahnsinnig schöne Bergwälder fort, dazwischen tauchen immer wieder Massai Dörfer auf – die Landschaft verändert sich immer wieder – man kann sich absolut nicht satt sehen an all dieser unterschiedlichen Schönheit.

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Die Ziegen- und Rinderherden der Massai verwandeln sich in Herden von Impalas, Thomson und MC Donalds Antilopen, während Geier oder Adler den Himmel säumen.  Giraffen und Zebras sind bis an den Horizont erkennbar und üben eine große Faszination auf uns aus. Dann entdeckt Robson eine „große schwarze Wolke“ die sich uns nähert – und plötzlich sind wir mittendrin – in der großen Migration der Gnus – tausende Tiere ziehen in einer Reihe als Track an uns vorbei – von einem Horizont zum anderen – und queren vor uns die Straße – getrieben von der Suche nach Wasser und Futter. Ein unglaubliches Schauspiel – wir mittendrin – Stille breitet sich im Auto aus – wir sind ergriffen und zutiefst beeindruckt. Lediglich im Augenwinkel nehmen wir die vielen Strauße, Störche und Zebras war…

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Nach wenigen Kilometern erreichen wir das „Tor zur Serengeti“ – wir sind angekommen.

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Nach einem kurzen Stopp begleiten die aus den letzten Stunden gewohnten Herden unseren Weg, als Robson plötzlich abrupt stoppt. Für uns alle zunächst unsichtbar, hat er während der Fahrt zwei Löwen im Gras neben der Straße entdeckt. Ich frage mich bis zum Schluss, wie er das macht und die Tiere vor allen anderen und während er fährt, entdeckt. Man staunt und ist ergriffen, wie wunderschön diese Tiere sind.

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Unser Picknickplatz liegt heute direkt am Naturparkeingang. Vor Überwältigung bei dem Gedanken, wo wir jetzt sind, verdrücke ich heimlich ein paar Tränen. Ein neugieriger Marabu und hunderte bunter Vögel schauen zu, wie wir unsere Lunchpakete leer mampfen.Eine große Agame sonnt sich auf einem Fels und lässt sich trotz Trubel nicht aus der Ruhe bringen. In einem netten Shop erstehe ich die Postkarten für zu Hause – die bis jetzt noch nicht angekommen sind.

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Robson, heute super gelaunt und auf Zack (was bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, welch hervorragende Arbeit er durch sein Fahrkönnen leistet), entdeckt bei der Weiterfahrt tatsächlich einen Geparden im Schatten eines Steines.

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Ally fragt in die Runde, wer denn morgen die Ballonfahrt gebucht hat – und wir sind erstaunt, dass wir die einzigen aus unserer Gruppe sind. Im Camp der Ballonfahrer erledigen wir die nötigen Formalitäten in Form von auszufüllenden Zetteln und werden kurz darüber aufgeklärt, was uns morgen erwartet – mir wird spontan mulmig zu mute.

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Anschließend erreichen wir unsere Unterkunft, das Safari Wildcamp – es macht seinem Namen alle Ehre – denn es ist Wildnis pur. Mitten in der Savanne der Serengeti – ohne Zaun oder ähnliches, stehen die mobilen Zelte – es gibt getrennte Betten mit Moskitonetzen, ein Waschbecken, eine Campingtoilette und eine Dusche, mit etwa 25l Wasser pro Tag im Zelt. Der Empfang im Camp ist ausgesprochen herzlich und wir fühlen uns sofort willkommen. Nach dem üblichen Sundowner testen wir sofort die Buschdusche und es funktioniert recht gut, hat allerdings nichts mit erholsam und entspannt zu tun – eine interessante Erfahrung ist es allemal – viele Massai würden wohl davon träumen. Da unser Gepäck von den Fahrten mittlerweile durchgerüttelt und verrutscht ist, finde ich nicht mehr wirklich was in unseren Taschen, das dämmrige Licht in den Zelten tut sein Übriges dazu. Die Übernachtung in diesem Camp verbuche ich unter : Abenteuer. Wegen der vielen Tse Tse Fliegen, ziemlich mit Antibrumm eingenebelt, begeben wir uns ins Gemeinschaftszelt zum Essen. Die Tische sind geschmückt mit Baobabs, welche komplett aus Perlen gemacht sind – irre.

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In Buffetform wird Gurkensuppe, Süßkartoffel Pommes, Reis, Rindergulasch Auberginengemüse und Pfannkuchen gereicht. Alles sehr schmackhaft!!! Das Personal ist überaus freundlich und lustig – wir haben sehr viel Spaß die Tage hier mit ihnen. Immer wieder kommt es bei den Einheimischen gut an, wenn wir ein paar Brocken Suaheli mit ihnen reden – es tut ihnen sichtlich gut, ernst genommen zu werden.

Am Lagerfeuer hängt anschließend jeder seinen Gedanken nach. Da Ally während des Essens kurz erwähnt hat, dass er morgen Geburtstag hat – aber die Aussage ein paar Wiedersprüche aufweist, diskutieren wir kurz, wie wir darauf reagieren – sammeln wir Geld? Wir entscheiden uns ein Lied mit selbstgeschriebenen Text für ihn zu singen.

Als wir die Augen vor Erschöpfung nicht mehr aufhalten können, begleitet uns ein Massai zurück zu unserem Zelt. Die dünnen Zeltwände und die getrennten Betten bereiten mir ein recht mulmiges Gefühl, wenn ich so darüber nachdenke, wo wir uns befinden – mitten in der Wildnis – mitten in der Serengeti.

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Internet:

Cremagazin.de (Infoseite Kaffee)

Mwemachildren.org

Chameleon-stiftung.org

Welt.de (Reisen, Thema Grzimek)

Serengeti.org

Zara.co.tz

Aufsafari.de

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