Abenteuer beginnt, wo Pläne enden

Tag 11: Michamwi Sunset Bay – Mit der Dhau in Sonnenuntergang

Als ich morgens aufwache, muss ich einfach mehrfach aus dem Fenster schauen, um sicherzugehen, dass alles noch da ist – und ich nicht geträumt habe. Alleine die wundervolle Gartenanlage mit tollen Büschen, Sträuchern und Palmen reißt mich so sehr vom Hocker.

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Das Frühstücksbuffet nehmen wir auf der „Ozean Terasse“ ein – welch Plätzchen – welch Ausblick. Ich nehme Toast mit Marmelade, Gurken und Tomaten, massig von absolut irre schmeckenden Obst und Tee zu mit. Ein Käseomlett wird frisch zubereitet. Könnte der Tag besser beginnen?

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Den immer leicht wehenden Wind haben wir jetzt schon lieb, ohne ihn wäre die Hitze kaum zu ertragen. Bei Ebbe brechen wir zu unserem ersten Strandspaziergang auf – wahnsinnig tolle Muscheln sind hier zu finden – ich ärgere mich sehr, dass man sie nicht ausführen darf – auf’s Dach wandern sie aber selbstverständlich. Wir laufen ca. 1 Stunden, bis der Strand sehr felsig und die Hitze unterträglich wird. Während des Spazierganges fallen uns immer wieder leerstehende und halb verfallene Strandhotels auf. Schon früher sind uns halbfertige Häuser aufgefallen und wir haben erfahren, dass die Leute anfangen zu bauen, wenn Geld da ist, ist es alle und es muss wieder gespart werden, so liegt die Baustelle brach. So dauert hier der Hausbau im Schnitt 7 – 8  Jahre.

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Wieder im Hotel ergattern wir 2 Sonnenliegen in der ersten Reihe und tun tatsächlich mal NICHTS (sehr ungewöhnlich für diesen Urlaub).

Dann beginnt ein wahrer Alptraum für mich, denn genau vor uns packen zwei Einheimische Frauen am Strand ihre großen Taschen mit Tüchern aus. Sie halten die schönsten, buntesten Exemplare abwechselnd in die Luft und bieten diese zum Verkauf an. Wer mich kennt, kennt meinen Schal / Tücher Tick, und das ich Unmengen davon besitze. Stefan sagt mehrfach „hol schon deinen Geldbeutel“, aber ich bleibe tapfer und standhaft (habe im ganzen Urlaub nur 3 Stück gekauft). Während dem ganzen nix – tun, springen wir ab und an in den Pool, der wenigstens kurzfristig Abkühlung schafft. Handtücher braucht man keine, der Wind bläßt einem sofort trocken.

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Als die Flut kommt wagen wir uns mit Strandschuhen (wegen der Korallen und Seeigel) ins Wasser – und sind entsetzt – das Meer ist gefühlt noch wärmer als die Luft – reinste Badewanne. Leider ist das Wasser in Strandnähe sehr flach und voller Seetang, so dass man nicht schwimmen kann.

Schon auf dem Festland hatte ich auf zwei Lodges von einer Verwöhnmassage geträumt, aber aus Zeitmangel hatte es nie geklappt. Heute klappt es und es tut unendlich gut. Für wenig Geld tauche ich ab in eine Traumwelt aus Gerüchen und Blüten… Luxus pur.

Um 17:00 Uhr steht heute der einzige Programmpunkt auf dem Plan – Bootsfahrt mit einer Dhau und einheimischen Fischern zum Mangrovenwald. Klingt irre – ist es auch – wenn man bedenkt, dass ich sonst eine solche Nussschale nicht betreten würde. Im Nachherein betrachtet, war ich dann sehr mutig, war ich doch nicht die Einzige mit den Bedenken.

Die Fischer sind pünktlich, bestimmt ist der eine schon über 70 oder älter und von der Sonne gegerbt. Aber jeder seiner Handgriffe sitzt – Wahnsinn.

Wir waten durch das flache Wasser, bevor wir die Dhaus besteigen können, was durch die Seitenausleger nicht ganz einfach ist. Sitzmöglichkeiten – keine! Reeling? – auch Fehlanzeige – so setzen wir uns auf die Kante des Einbaumes. Na super – ich bekomme mal wieder meinen Klammergriff und beruhige mich – 21 – 22 – alles gut, rede ich mir selbst ein. Stefan beobachtet mich grinsend. Wenn ich mir die einfache Konstruktion dieses landestypischen Bootes anschaue, wird mir schlecht. Aber die Männer, die uns nicht verstehen, wissen anscheinend, was sie tun , denn ruck zuck hissen sie das Segel und wir gleiten auf dem Ozean dahin. Nach einiger Zeit löse ich meinen Klammergriff und kann die Fahrt tatsächlich genießen – welch überraschendes Wunder.

Wir steuern den Mangrovenwald an, in den wir eigentlich hinein gefahren wären, aber wir haben ablaufendes Wasser, so heißt es, per Fuß los. In den Boden, welcher ein einziges Matschloch ist, sinkt man mehr als knöcheltief ein. Da die ersten schon ihre Schuhe verlieren (an der Rezeption war die Aussage „Sandalen sin OK, da die Boote nicht verlassen werden“) entscheiden wir uns trotz spitzer Mangrovenwurzeln und eventuellen Schlangen dafür, Barfuß weiter zu laufen. Stefan fühlt sich sichtlich unwohl. Schlammspringer hüpfen über unsere Füße. Bei unserem kleinen Querfeldein Walk erfahren und lernen wir allerdings viel. In dem hiesigen feucht/heißen Klima nehmen Mangroven ungeahnte Dimensionen an. Es ist ein sehr empfindliches Öko System, denn zweimal täglich verschwinden hunderte von Quadratmetern im Meer um wenige Stunden später wieder aufzutauchen. Wo Gezeiten neues Land entstehen lassen, wachsen fast über Nacht die Mangroven – diese können unter günstigen Bedingungen, eine Insel innerhalb weniger Jahre komplett bedecken. Mangroven, welche kaum andere Pflanzen dulden, haben sehr zähe und ledrige Blätter im undurchsichtig dichten Laub, während die Äste sehr knorrig sind. Bei Ebbe stehen selbst die Stämme und Wurzeln im trockenen. Wir erfahren viel über Samenschoten, Stamm- und Blattformen und das es mehrere hundert Arten gibt. Als eine Mitreisende zufällig erwähnt, dass sie Magen / Darm Probleme hat, greift der Guide dieses auf und reicht ihr eine Kapsel der Mangrove. Diese soll sie im Hotel zerreiben lassen und mit viel Wasser trinken – wird sie so mutig sein?

Auf der Sandbank liegen wieder die schönsten Muscheln rum und rufen „nimm mich mit“ –

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Wir müssen leider taub sein. Auf dem Rückweg müssen die Fischer leider staaken, da der Wind von vorne kommt – welch herrliches Idyll – mitten in den Sonnenuntergang hinein – der leere Akku an unserem Fotoapparat ärgert mich da mehr, als die Tatsache, dass wir bis auf die Unterhose nass sind. Am Ende muss ich tatsächlich zugeben, dass die Aktion halb so schlimm wie befürchtet und wunderschön war.

An der Bar angekommen, nehmen wir sogleich einen Amarula als Sundowner zu uns und schlendern dann geradewegs zum Abendessen, welches heute im Gartenrestaurant nach vorheriger Auswahl serviert wird.

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Generell finde ich es sehr nett, dass jeden Vormittag ein personalisierter Zettel auf dem Bett liegt, wo wir alles über das Wetter, Ausflugstipps,Gezeiten, sowie das Abendessen erfahren. Wir haben uns heute für Octopus Salat, Karottensuppe, Prawns mit Reis in Zitronengrasbutter / Hähnchen mit Grill Kartoffeln und Gemüse, sowie für eine große Obstplatte entschieden – habe ich schon erwähnt, dass das Obst hier der Hammer ist?

Die deutsche Hotelmanagerin stellt sich heute vor und gibt ein wenig von der hiesigen Mentalität preis – auf die Frage, warum hier so viel Seetang rumliegt, bekommen wir erklärt, dass dieses nur per Hand und nicht mit Maschinen wegeräumt werden darf, um der Natur nicht zu schaden. Sie erzählt auch, dass jeder überall bauen und es wieder verlassen darf, solange es „flexibel“ sei, denn wenn es jemand stören würde, müsse man das Gebäude umgehend wieder beseitigen. Ich stelle mit vor, welch Chaos dieses in Deutschland auslösen würde.

Einige Mitreisende haben sich zwischenzeitlich um die Mangokapsel gekümmert, sie mit dem Taschenmesser zerrieben und in Wasser aufgelöst. Das angebliche Wundermittel schwimmt jetzt rot im Wasserglas – solidarisch wird es von mehreren getrunken und wir scherzen „war schön euch kennengelernt zu haben“… mutig, mutig. Wer von ihnen wohl morgen früh noch zum Frühstück erscheinen wird?

Nach einem Cocktail an der Bar streichen wir heute alle früh unsere Segel.

 

Internet:

Wikipedia.org -> Dhau

Suedwind-magazin.at -> Mangroven

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