Abenteuer beginnt, wo Pläne enden

Tag 10 – Teil 1: Stadtrundgang Stone Town

Bereits um sechs Uhr bin ich wieder wach – und freue mich darüber, dass ich nicht alles nur geträumt habe – und tatsächlich auf Sansibar bin. Es ist unsagbar heiß und schwül und ich sitze vor unserem Zimmer auf der Dachterrasse – genieße die Stille und vor allem den Ausblick – schreibe ein paar Notizen in mein Reisetagebuch.

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Beim anschließenden Frühstück genieße ich das erste Mal das wahnsinnig gute – intensiv – schmeckende frische Obst der Insel und bin, wie alle anderen auch, davon total begeistert (es wird die nächsten Tage fast zum Grundnahrungsmittel werden – und landet virtuell, wie soll es auch anders sein, auf dem Autodach). Auch der Rest des Frühstückes im Dhow Palace ist lecker und reichhaltig. Da ich sowieso ein Frühstücksmensch bin, genieße ich diese herrliche Zeit mit nicht europäischen Köstlichkeiten und unseren lieben Menschen aus dem Auto um uns herum. Ally II holt uns heute zum Stadtrundgang in stilechtem arabischen Gewand und Käppie ab.

Wir laufen durch enge, verwinkelte Gassen voller Menschen, öfters müssen wir zur Seite springen, da wir uns irgendwie immer noch nicht an den Linksverkehr gewöhnt haben – die Fahrrad- und Moped Akrobaten interessiert das wenig. An vielen Ecken und Plätzen essen und trinken die Menschen – stellen auf kleinen Öfen für uns undefinierbare Speisen her.

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Alles wirkt sehr fremd,selbst die Menschen riechen anders, es herrscht lebhafter Trubel. Oft sehen wir die wundervollen Swaheli Türen. Ally II und das Internet geben unterschiedliche Erklärungen ab.  Überwiegend die Portale arabischer Häuser sind aufwendig gestaltet, sie sollen zeigen, dass hier kein armer Mann lebt. Swahelis und Inder haben allerding auch solch wunderschöne Türen. Bei allen sonstigen Kulturellen und stilistischen Unterschieden, stellen sie ein gemeinsames Statussymbol – Kultur übergreifend da – typisch für Sansibar. Etwa 1400 alte, antike Türen gibt es auf der Insel – die ältesten aus dem 17. Jahrhundert. Es war üblich, das die Türen vor dem Hausbau aus termiten- und wasserresistenten Teakholz gefertigt wurden. Heute wir afrikanisches Mahagoni benutzt. Symbole wir Fische oder Wellenlinien tauchen oft auf – stellen Elemente aus dem Leben der Küstenbewohner da. Stilisierte Blüten als Zeichen der Fruchtbarkeit und des Friedens, Palmenblätter sollen Reichtum und Gesundheit bescheren. Eine geschnitzte Kette an den Rahmen soll den Bewohnern Sicherheit bescheren, oder wie andere Überlieferungen erzählen, hatte der Bewohner etwas mit dem Sklavenhandel zu tun. Charakterzüge der Hausherren wurden mit Ornamenten, wie z. B. Tieren oder Gewürzen symbolisiert. Koransprüche im oberen Teil der Tür sollen den Hausbesitzer segnen. Hölzerne oder Messingbeschläge sollen Unheil vom Haus abhalten. Laut einem Gesetz von 1960, werden die Türen durchnummeriert und katalogisiert – damit diese antiken Schätze nicht auf dem Festland oder in Übersee verkauft werden.

Bei unserem Streifzug zu durch die Altstadt ist deutlich zu sehen, dass auf der Insel ca. 80% Muslime leben. Wir kommen an eine Ecke, wo herrliche Tinga Tinga Gemälde angeboten werden – eine etwas naiv anmutende Malerei, welche für Sansibar ganz typisch ist. Wir gönnen uns ein großes Bild – wo stilisiert Massai drauf zu sehen sind. Es wird vom Keilrahmen abgenommen und gerollt, so dass es nicht auf dem Dach, sondern im Handgepäck mit nach Deutschland reisen darf – mit ein bisschen Verhandlung können wir den Preis um 25$ noch drücken.

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Das Stadtbild ist geprägt von Architektur mit arabischem, indischen und afrikanischem Touch. Die meisten Gebäude bestehen aus Korallenstein. Wir kommen an einem kleinen, unscheinbaren Haus vorbei, von dem Ally II zu berichten weiß, dass es das Gedenkhaus von Freddy Mercury (Sänger von Queen) sei, der hier auf der Insel geboren ist. Der muslimische Glaube verbietet aber jede gleichgeschlechtliche Liebe, so dass von ihm hier kaum gesprochen wird. Auch heterosexuellen Päarchen wird laut Reiseführer nahegelegt, in der Öffentlichkeit keine Liebesbekundungen wie Küssen, Händchenhalten usw. auszutauschen. Obwohl es uns schwerfällt, hält sich zumindest ein Teil der Gruppe daran…

Zwischen Ochsenkarren die Waren schleppen, Verkaufsständen und Buden, welche sich dicht aneinanderreihen und alles anbieten was man sich nur vorstellen kann (Tücher – Tücher – Tücher, Möbel, Schuhe, Kosmetik Kleidung, usw.) entdecken wir ein interessantes Souvenirgeschäft. Ally II macht den Fehler und sagt, wir kämen hier nicht mehr vorbei – und somit ergattern wir, trotz des Protestes einiger aus der Gruppe, eine viertel Stunde Freizeit um Erinnerungen zu kaufen. Wie auch auf dem Festland, so besteht auch hier der Zeitdruck der Guides, welche unbedingt das Programm einhalten sollen. – Schade –

Als erste Sehenswürdigkeit besuchen wir die Anglikanische Kirche. Für afrikanische Verhältnisse ein sehr imposantes Bauwerk. Sie wurde von 1873 – 1880 von David Livingston und dem britischen Bischof Steern direkt auf dem ehemaligen Sklavenmarkt errichtet.

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Als Liningston 1856 nach Sansibar kam, übte er über einflussreiche Freunde politischen Druck auf den Sultan aus – er gelang – so, dass ab Juli 1873 die Sklaverei, zumindest offiziell, verboten wurde. Der Altar der Kirche wurde genau an dem Ort errichtet, wo früher die Sklaven angekettet und ausgepeitscht wurden. Das Rot des Altars symbolisiert das vergossene Blut der Sklaven. Auf dem Vorplatz der Kirche hat eine schwedische Künstlerin ein Mahnmal gegen den Sklavenhandel erschaffen und in den Boden eingelassen.

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Beim Anblick habe ich einen Klos im Hals, und frage mich, was Menschen dazu bringt, andere so zu behandeln. In einem Nebengebäude besichtigen wir noch im Keller eine ehemalige Sklavenkammer. Hier sollen nach Geschlechtern getrennt, jeweils 75 Menschen auf engstem Raum gehaust und gefoltert worden sein – unvorstellbar – ein tief dunkles Kapitel der Inselgeschichte und der Menschheit.

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Wir sind danach ruhig und in uns gekehrt – alles gehörte und gesehene muss verarbeitet werden – die Gänsehaut bleibt uns noch lange erhalten.

Der Kontrast könnte nicht größer sein (oder bewusst gewählt) und so schlendern wir weiter über die belebten Gassen, während der Muezzin in die Moscheen ruft…

Ein wahnsinniges Gewimmel empfängt uns um die nächste Ecke – hunderte Menschen strömen auf den Darajani Marktet. Dieser Markt existiert seit dem frühen 20. Jahrhundert. In den Hallen wird fangfrischer Fisch, welcher uns vor die Füße geworfen wird, Fleisch und Geflügel zum Kauf und auch über Auktionen angeboten. Ally II ist erstaunt, dass wir es alle wagen, hier herein zu gehen, denn es ist wahrlich Horror für unsere europäischen Nasen – kaum auszuhalten… Wir sind geschockt über die katastrophalen „hygienischen“ Zustände – Fliegen, Blut, keinerlei Kühlung bei etwa 40 Grad!? Wir denken nur sehr kurz darüber nach, ob unsere Hotels hier auch ihre Lebensmittel kaufen und sind sehr froh, dass das Essen für uns immer sehr „well done“ ist…

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Im dichten Gedränge und Geschiebe wird uns extrem mulmig – ich habe alle Hände an den Wertsachen – und unseren Guide immer im Auge, um ihn ja nicht zu verlieren – das wäre undenkbar. Auch draußen, bei den dicht gedrängten Marktständen ist der Teufel los. Es wird einfach alles angeboten, was Land und Meer hergibt. Früchte und Gemüse – vieles davon habe ich noch nie gesehen. Dann folgen die Gewürzhändler – tausende von Tütchen in schillernden Farben – die Gerüche sind nicht erklärbar – es scheint so, als mache es „high“.

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Ally II erklärt, dass es hier günstiger ist, als nachher auf der Gewürzfarm, also erstehen wir die weltbesten Muskatnüsse, die intensivsten Nelken und die aromatischten Vanilleschoten (laut Aussage des Verkäufers natürlich!). Wir schaffe es wieder zu handeln und sind froh über unseren Einkauf – und darüber, dass wir die Gruppe nicht verloren haben. Als wir etwas abseits vom Markt sind, atmen wir hörbar auf – Wahnsinn. Der Markt kommt definitiv nicht auf’s Dach.

Gefühlt wird uns immer heißer (obwohl es heute bedeckt ist und es ein kühler Tag sein soll) – die Klima Umstellung macht uns schwer zu schaffen – vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass wir immer nur den Kopf schütteln können, wenn wir die überaus fachmännisch verlegten Stromkabel Stone Towns erblicken. Sicherheit wird wohl ziemlich überbewertet….

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Im Programm folgt der ehemalige Sultanspalast. Dieser war von 1834 – 1964 Regierungssitz und Wohnhaus des jeweilig regierenden Sultans. Nach dem Sturz des letzten Sultans 1964 wird er von der Regierung als Verwaltungsgebäude genutzt. Zum Palace Museum wurde das Haus 1994 gestaltet. Es werden Staatsgeschenke präsentiert und das Leben der Prinzessin Salme dokumentiert. Wieder einmal fällt die Bindung Sansibars zum europäischen Ostblock auf. Doch bei der Hitze ist uns so gar nicht nach Museum zu Mute, und wir genießen lieber die frische Brise und den tollen Ausblick auf den Ozean vom Balkon des Palastes aus, von wo wir auch einen tollen Ausblick auf das arabische Fort in der Nachbarschaft haben. Es wurde von 1698 – 1701 errichtet und hatte über Jahrhunderte andere Bestimmungen, von Gefängnis, Marktplatz oder gar Tennisplatz. Heute dient das Amphitheater als Platz für Events. Nach einer kurz bemessenen Zeit treffen wir uns alle im Vorraum des Museums wieder, und setzen den Stadtspaziergang fort. Dieser führt am Friedhof der Sultane, und dem „House of wonders“, welches 1883 als Zeremonie Palast des Sultans fertiggestellt wurde, vorbei. Es war das erste Gebäude in Ost Afrika mit Elektrizität und fließend Wasser. Über die Jahre war es Sitz der britischen Kolonialregierung, der sansibarischen und tansanischen Regierung. Im Jahre 2000 wurde es zum Weltkulturerbe ernannt – heute ist das Nationalmuseum von Sansibar darin zu finden… für uns geht der Weg weiter… überall werden uns Waren unter die Nase gehalten und um den Kauf dieser gebeten. Gewürze werden zu Dumping Preisen angeboten – wir lernen die Verkäufer zu ignorieren, um sie wieder los zu werden.

Wir flanieren durch die Forodhani Gartenanlage. Dieser Platz erwacht eigentlich erst abends zum Leben, wenn hier unzählige Garküchen aufgeschlagen werden – jetzt spielen hier Kinder, Männer sitzen und vertreiben sich die Zeit mit einer Art Mühle Spiel, während sie als Tagelöhner auf Arbeit warten. Ally II führt uns in ein kleines Café (Travelers Café), welches genau am Strand liegt – wir bekommen Gewürzkaffee (sehr stark mit Zimt, Kardamom und Ingwer) serviert, dazu eine Art Nuss Ecke und ein geleeartigen, gewürzten, papp – süßen Würfen (bis heute weiß ich nicht, was es war, obwohl wir ihn mehrmals die Tage zu Gesicht bekamen).

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Wir genossen die Pause sehr –  schließlich waren wir schon 5 Stunden auf den Beinen. Von dem herrlichen Cafe – Plätzchen hatten wir ein einen wundervollen Blick auf den Ozean, mit den vielen Dhaus und Fischerbooten, welche sich in der Brandung wiegten. In der Nähe konnten wir sogar einen kurzen Blick in eine Werft erhaschen. Zu unserer Freude parkte unser Kleinbus, inkl. unserem Gepäck in der Nähe.

Wie ließen uns recht erschöpft und vollgepackt mit unendlich vielen Eindrücken in die Sitze plumpsen und zum nächsten Höhepunkt fahren.

 

Internet:
tansania.de -> Stone Town

reiselexikon.de -> Stone Town

wikipedia.org -> Tinga Tinga

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